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Freizeittipps Wildalpen

Wildalpen hat smaragdgrünes Wasser in den Adern. Aber der obersteirische Ort liegt nicht nur im Tal der wilden Wasser!

Am Nordfuß des Hochschwabs kann man einsame Platzerln aufsuchen, zu schroffen Gipfeln und sanften Blumenbergen anreisen oder im überschüssigen Wiener Hochquellwasser ein Bad nehmen. Und immer ist das Rad mit dabei.

 

Versteckt hinter Mariazell, eingezwickt zwischen dem Hochschwab und den Göstlinger Bergen liegt ein Talkessel, der für zweierlei Dinge berühmt ist: für das klare Trinkwasser, das in der II. Wiener Hochquellenleitung über 180 km bis in die Bundeshauptstadt fließt, und für die 60 km lang unverbaute, wogende Salza, die sich als letztes Paradies für Wildwasserfahrer in Österreich erhalten hat. Hinzu kam 1998 die „Steirische Alpentour“, eine Mountainbike-Strecke, die auch in Wildalpen Station macht. Ausgehend von Wildalpen lassen sich wunderbare Bike-&-Hike-Touren in unberührte Landschaften unternehmen. Doch Achtung! Obwohl viele Forststraßen locken, sind die beiden großen Grundeigentümer Stadt Wien und Österreichische Bundesforste mit den Freigaben für Biker recht sparsam gewesen.

 

Als besondere Kuriosität sei erwähnt, dass der Automobilist bei Zahlung von 15 Euro in die Bundesforste-Kassa von der Fangbrücke in Dürradmer bis zur Nappenbachklause fahren darf. Der Biker aber muss sein Radl Richtung Kräuterin entweder schieben oder stehen lassen.

Wer sich in Wildalpen aufs Bergradl schwingt, sei aus dreierlei Gründen empfohlen, es früh am Morgen zu tun: Die Stimmungen an der Salza sind im ersten Sonnenlicht besonders intensiv. Keine Angst – der leuchtende Stern muss ohnehin erst die Zweitausender-Felsmauer des Schwaben überwinden, ehe er in das Salza-Tal strahlen kann. Mountainbiker, nütze die sommerlichen Stunden zwischen sieben und neun, um Richtung Weichselboden oder in die Palfau zu radeln!

 

Bootfahrer sind Autofahrer. Sie müssen ihre Geräte zum Einsetzpunkt bringen, ein Auto beim Endpunkt (Fachwerk oder Palfau) abstellen und manchmal dazwischen schwierigere Stellen besichtigen. Sie fahren also oft hin und her – aber kaum vor 9 Uhr, weil es ihnen frühmorgens zu frisch ist.

 

Und dann noch die motorisierten Biker. Die Harley- und Enduro-Route lautet: Erlaufsee–Mariazell–Hochschwabbundestraße–Gesäuse. Aber auch die Motorcyclisten kommen kaum vor neun Uhr aus den Federn.

 

Bis dahin gehört also die Bundesstraße 25 ein paar versprengten Einheimischen und den Radlern. Die 23 km, um nach Gams und in die Nothklamm zu kommen, und die Strecke in die andere Richtung über Rotmoos oder Greith nach Dürradmer sollte man am frühen Morgen pedalieren. Dann lässt sich der Nachmittag nach getaner Bergtour an wunderbaren Badeplätzen verbummeln. Und frühe Stund auf der Kräuterin-Alm heißt Morgentau auf zahlreichen Alpenblumerln. Es glänzen die berostete Alpenrose, Prachtnelke und Kohlröserl.

 

Im Wildalpener Kessel gibt es auch eine Nord-Süd-Achse, die überhaupt nicht verkehrsbelastet ist. Ein paar Kilometer in die Talweitung von Hinterwildalpen hinauf, und man steht vor dem mächtigen Geiger oder beginnt eine sanfte Almwanderung auf die Buchberg- oder Heimmoseralm. Ins Tal zurückgekehrt, erwarten einen das geheizte Quellwasser-Schwimmbad zu Hinterwildalpen mit Eintritt gegen eine freiwillige Spende (!) und ein Gasthaus mit ausgezeichneter Hausmannskost.

 

Die längste Radwanderung kann man nordwärts unternehmen. Durch das anfangs weite Hopfgartental führt die Straße über die Hühnermauer hinab in den Schneckengraben und weiter in die Klaus. Bald weitet sich hier das Tal. Es kommen wunderbare Schotterbänke  im Lassingbach zutage, die sich hervorragend zum Seelebaumelnlassen eignen. Im Schatten der wild zerklüfteten Kräuterin-Westseite kann abgeduscht oder gewatet werden. Hitzige Typen werfen sich mutig ins recht frische Lassing-Wasserl und erschrecken schlanke Forellen.

 

Weiter führt die öffentliche Straße bis zu einer Abzweigung in den Rotwald, die durch ein großes Tor abgesperrt ist. Zu Fuß könnte man bis nahe an den letzten Urwald Österreichs herankommen. Dann ist aber sowieso Schluss, weil man das Herz des Wildnisgebietes nur mit einer Sondergenehmigung betreten darf.

 

Wen nach der Aussicht auf die Hochschwab-Majestäten und die Göstlinger Berge lüstet, lässt sein Radl in der Klaus liegen und erklimmt über den Tremel den Ringkogel (1668 m). Radaffine Typen kämpfen sich noch bis zum Zellerbrunnbach vor, wo im hintersten Winkel eine Fahrverbotstafel den Biker vom Sattel wirft. Zurück in Wildalpen hat man mehr als 40 km in den Beinen.

 

Ein abendlicher Besuch des Brunnsees mit Blick ins flache Tal zwischen Griesstein und Riegerin gehört ebenso ins Tourenbuch wie der Besuch des Holzäpfeltals mit Erwanderung der Christerbauer Sperre. Diese Mauer staut einen riesigen Geröllsee auf, der von der Kräuterin gespeist wird. Die Schottermassen ließen einst den Christerbauer in den Steinlawinen versinken.

 

Natürlich kann auch der Hochschwab bestiegen werden. Über Weichselboden und die Samstatt kommt man ins Ochsenreichkar. Wer Glück hat, trifft nahe einer Quelle ganz oben einen stattlichen Steinbock. Den regen bunte Radler-Trikots überhaupt nicht auf. Der mächtige Hornträger gestattet sogar seelenruhig ein schönes Foto.

 

Text und Fotos von Helmut Frießenbichler

Nothklamm bei Gams
Berostete Alpenrose
Steinbock im Ochsenreichkar
Die bewirtschaftete Kräuterin-Alm
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